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Corona im Fuß

Markus Söder hat mir die kleinen Seitenhiebe der letzten Wochen anscheinend übelgenommen. Um ein Haar hätte er mich gestern aus dem Weg geräumt. Schräg gegenüber von der Staatskanzlei, also quasi auf seinem Hoheitsgebiet, haben mich, beim Überqueren der Fußgängerampel, drei dunkle Blaulicht-Staatskarossen mit Vollgas anvisiert und ich konnte mein Leben nur durch einen wagemutigen Hechtsprung retten. Ich konnte den MP aufgrund der abgedunkelten Scheiben zwar nicht erkennen, aber sein  feistes Grinsen habe ich dennoch gespürt, egal, das Ganze wäre ohnehin nicht justitiabel gewesen, da meine Ampel nicht wirklich grün, sondern eher gelb oder auch dunkelgelb war.

Mein Bewegungsapparat ist nämlich derzeit so stark eingeschränkt, dass mich beim Überqueren einer grünen Ampelkreuzung auf halber Strecke bereits das Rotlicht erwischt. Mein linker Fuß ist platt. Hat einfach so seinen Dienst aufgegeben. Rechts rolle ich ganz normal ab und links watschle ich wie eine Ente. Warum und wieso? Keine Ahnung!

Wie gut, dass jemand mit meinem Hintergrund medizinisch gut vernetzt ist. Ich habe trotz Ausnahmezustand bereits fünf verschiedene Spezialisten dazu gebracht sich den Fuß anzuschauen. Ich bin geröntgt worden, war in der Kernspinn-Röhre, habe eine Spritze in die Lendenwirbelsäule bekommen, bin vom Neurologen unter Strom gesetzt und zu guter letzt auch noch mit Schalwellen behämmert worden. Hat alles nichts genutzt. Der Fuß ist platt.

Mein medizinsicherer Supervisor, Eiko, ein renommierter Sportmediziner, hat die Ergebnisse gestern alle resümiert und kam zum Schluss, dass da nur noch eine Option infrage käme: ein Virus!

Ja, ich kenne mich in der Radiologie ein klein wenig aus.

Er hatte das einfach so rausgehauen. Unverblümt und ohne jegliches Mitgefühl. Nicht mal in die Augen geschaut hat er mir dabei. Der Medizinroboter hatte stur in seinen Computer gestarrt, meine Daten kopfschüttelnd analysiert, um mir dann zu erklären, dass mein lädierter Fuß wahrscheinlich auf eine Infektion zurückzuführen sei. Als er im dritten Anlauf, also eine ewige Minute später, schließlich dezidierter auf seine Diagnose einging und von einer Borrelien-Infektion sprach, war der Zug schon abgefahren. Da hatten sich die Wörter Virus und Infektion in meinem System schon verselbständigt: Ich habe Corona im Fuß!

Ich habe keine Zweifel, zumal man Borreliose durch Zeckenbisse bekommt und ich natürlich gegen selbige geimpft bin. So wie meiner eins gegen alles geimpft ist. Meine alternativmedizinischen Berater schimpfen deswegen zwar gerne mit mir, aber die sind auch noch nie mit einer Hepatitis aus Asien zurückgekehrt – so etwas verändert die Einstellung zum Thema Impfen nachhaltig.

Jetzt gilt es den linken Fuß zu schonen.

Viermal Corona in drei Monaten! Das ist ärgerlich. Sehr ärgerlich sogar. Denn damit sind meine sportlichen Ambitionen erneut ausgehebelt, ich werde noch fetter werden und muss noch mehr Alkohol trinken, um mein Spiegelbild zu ertragen.

Und das mit Mandy und mir wird wahrscheinlich auch kein romantisches Ende finden. Seit Tagen chatte ich mit dieser attraktiven Tanzlehrerin auf Facebook und hatte dabei, nach ein paar Gläschen Wein, meine Vita ein klein wenig aufgehübscht, hatte was von einer Beinahe-Karriere als Balletttänzer gefaselt und dadurch ihr Interesse geweckt. Wir waren uns nahe gekommen und uns irgendwann einig gewesen, dass mit Einsetzen der Social Distancing-Lockerungen jetzt ein Date anstehen würde. Das ist jetzt gestorben. Ein Moppel mit Entengang ist sicher nicht das, was sich eine durchtrainierte Ballerina als Partner vorstellt. Ja, Corona und ich, das ist eine ganz persönliche Angelegenheit, die einfach kein Ende finden will.

Der Markus weiß wie man feiert.

Da tröstet es mich wenig, dass das Liebesleben von so vielen anderen heute auch brutal ausgehebelt wurde. Der MP hat das größte Bordell der Welt versenkt. Die Wiesn findet dieses Jahr nicht statt. Das hat mich ein wenig überrascht, wo doch Volksfeste und bierselige Runden eigentlich die Wurzeln von Söders politischer Karriere darstellen. In den letzten Wochen sollen dem armen MP, Brauereibosse, Wirte und Schausteller die Bude eingerannt sein, um ihm eine abgespeckte Variante, eine Wiesn Light, schmackhaft zu machen. Vergebens. Er hat dem Druck standgehalten. Wahrscheinlich die richtige Entscheidung, allein schon wegen der zwei Millionen Touristen aus aller Welt, die dort üblicherweise aufschlagen.

Als meine Welt noch in Ordnung war und mir MPs noch nicht nach dem Leben trachteten.

Die Wiesn-Absage ist eine bittere Pille für alle Beteiligten. Nicht nur wegen der Umsatzeinbußen in Höhe von circa 1,2 Milliarden Euro, die das Fest üblicherweise in Münchner Kassen spielt, sondern auch fürs soziale Miteinander. Nicht wenige Münchner nehmen sich alljährlich zwei Wochen Urlaub, um es auf der Theresienwiese krachen zu lassen. Zum Aufreißen oder auch Anbandln, wie der Bayer sagt, ist die Wiesn besser als Tinder. Hier findet jedes noch so blinde Huhn ein Korn.

Womöglich hätte sogar eine mollige Ex-Ballerina mit Entenfuß dort romantische Chancen gehabt. Aber das hat sich jetzt erledigt. Söder hat mein Liebesleben endgültig begraben. Vielen Dank auch, Herr Ministerpräsident!

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