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Fischfutter

Mit Drachenboot-Regatten feiern die Chinesen aktuell das drittwichtigste Fest des Jahres.

In China wird seit gestern das dreitägige Duanwujié, das Drachenbootfest, begangen. Nach dem Neujahrsfest und dem Mondfest, der wichtigste Feiertag des Landes, an dem Chinas ältester Dichterpersönlichkeit, Qu Yuan (340 v. Chr.), gedacht wird. Qu Yuan, nach dessen Gedicht Tianwen, Himmelsfragen, alle chinesischen Raumfahrtmissionen benannt sind, wurde wegen seiner unpopulären politischen Ansichten einst vom Herrscherhof gejagt. Infolge irrte der Dichter heimatlos durchs Land, bis er sich schließlich im Fluss Miluo Jiang ertränkte. Drachenboote hatten der Legende nach vergebens versucht, ihm das Leben zu retten. In Erinnerung an das tragische Ereignis werden während der Festtage Zongzi, süße Reisklößchen, verspeist, die man damals in den Fluss geworfen haben soll, damit die Fische seinen Leichnam nicht fressen.

Zongzi

Wirecard-Chef Markus Braun würden viele auch gerne den Fischen zum Fraß vorwerfen und am besten noch ein paar Ekelfleischabfälle von Tönnies hinterherkippen, um ein paar besonders blutrünstige und gefräßige Monster anzulocken. Auf Rettungsboote braucht Braun nicht mehr hoffen, die Möglichkeiten hatte er dank gefälschter Bilanzen schon lange ausgeschöpft.

Auch mit Beten werden Markus Brauns 1,9 Milliarden Euro nicht mehr auftauchen.

1,9 Milliarden Euro sind einfach so verschwunden. Irgendwo auf den Philippinen heißt es. Wie verschwinden 1,9 Milliarden? Verliert man die am Strand? Beim Schnorcheln? Oder in einem Bordell in Manila? Egal wie und wo, Herr Braun wird es verschmerzen. Zumindest auf monetärer Ebene. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte ihn zwar kurzfristig verhaftet, aber nach Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt. Zuvor hatte Braun mal eben noch mit einer Serie von Aktienverkäufen 155 Millionen Euro flüssig gemacht. Damit ist der Mann jetzt auf freiem Fuß. Und nicht mal in einer Heim-Quarantäne.

Was für ein Schlag ins Gesicht für all die Kleinanleger. Und auch für mich. Braun schuldet mir noch Geld. 303,35 Euro habe ich noch beim Finanzdienstleister geparkt. War eigentlich als Notgroschen für schlechte Zeiten gedacht. Da Wirecard gestern Insolvenz angemeldet hat, dürften die schlechten Zeiten für mich endgültig angebrochen sein. Wahrscheinlich sehe ich mein Geld nie wieder.

Als Soloselbständiger hat man derzeit wenig zu knabbern.

Dabei könnte ich nach dreimonatiger Arbeitslosigkeit aktuell jeden Groschen gut gebrauchen. Waschmaschine, Spülmaschine und Kaffeevollautomat sind zeitgleich kaputt gegangen und müssen ersetzt werden. Ich hatte vier (!) Autounfälle seit Corona, davon waren zwar drei fremdverschuldet, aber egal, ich brauche einen neuen Wagen. Mein Sohn heiratet in zwei Wochen und ich brauche einen neuen Smoking, da meine Corona-Wampe in den chinesischen Maßanzug vom letzten Jahr nicht mehr reinpasst. Nur gut, dass man aktuell keine Flitterwochen in der Karibik verschenken kann, sodass ich da wenigstens ein paar Groschen spare.

Meine gesparten Groschen kommen der GEZ zugute. Die haben doch tatsächlich mitten in der Krise ihre Gebühren erhört. Zwar um lächerliche 86 Cent, aber egal, ich empfand auch die bisherigen monatlichen 17,50 Euro schon als Wucher. Wie die meisten Menschen unter 80 schaue ich kein Fernsehen, sondern Netflix. Einzige Ausnahme: die Tagesschau. Da ich im Jahr vielleicht 90 Tage in Deutschland weile und es daher auf höchstens 60 Tagesschauen bringe, zahle ich somit pro 15-minütigen Nachrichtenüberblick circa 3,50 Euro. Das entspricht in etwa dem Preis der Süddeutschen Zeitung, an der man im Idealfall zwei Stunden zu lesen hat. Ich kann die GEZ-Gebühren somit getrost als einen perversen Luxus bezeichnen. Zumal es bei oberflächlicher Programmanalyse den Eindruck erweckt, als würde der Löwenanteil der Gebühren von Florian Silbereisen und Helene Fischer verschluckt werden.

Als Flori und Helene noch glücklich vereint waren.

Da sich das einstige Liebespaar mittlerweile getrennt hat und man mit ihnen daher keinen Familienrabatt mehr aushandeln kann, drängt sich der Verdacht auf, dass darin womöglich die Gebührenerhöhung begründet liegt. Und das obgleich der öffentlich-rechtliche Arbeitgeber Frau Fischer (Privatvermögen 35 Mio. Euro) extra einen neuen Lover aus dem Fernsehballett organisiert hat und man den Flori mittlerweile als Kapitän auf dem ZDF-Traumschiff rumschippern lässt, obgleich er weder ein Kapitänspatent noch eine Schauspielausbildung vorweisen kann. Dankbarkeit? Demut? Fehlanzeige! Nein, ich muss für deren Trennung blechen.

Zukünftig gibt's Flex-Konditionen zum Basic-Tarif. bei der Lufthansa

Da tröstet es zumindest ein wenig, dass die Lufthansa mir gerade eine nette Nachricht geschickt hat, in der sie mir versicherte, dass meine Meilen nicht verfallen würden. Auch könne ich jeden gebuchten Flug bis Mitte 2021 kostenfrei umbuchen. Das ist erfreulich, da ich fortan keine teuren Flex-Tickets mehr kaufen muss. Im Basic-Tarif kann man nämlich schon für 350 Euro nach Shanghai fliegen. Damit dürfte sich das staatliche Lufthansa-Rettungspaket zumindest für mich bezahlt machen.

Neun Milliarden Euro bekommt der angeschlagene Konzern und wir Steuerzahler – ich zahle zwar aktuell keine Steuern, aber egal – mussten sogar noch darum betteln, dass das Luftfahrtunternehmen die Subvention annimmt. Großaktionär Heinz Hermann Thiele (laut Bloomberg 15,5 Mrd. Dollar schwer) hatte sich wochenlang gegen eine staatliche Beteiligung gewehrt.

So sehen Krisengwinnler aus.

Der Krisengewinnler, der vor Corona nur fünf Prozent der Lufthansa-Aktien hielt, hatte sein Volumen im Verlauf der Krise kostengünstig aufgestockt und hält mittlerweile 15 % der Aktien, die trotz des massiven Kurseinbruchs aktuell immer noch 724 Millionen Euro wert sind. Wochenlang hatte Thiele die Verhandlungen blockiert und musste von führenden Politikern unseres Landes mit Engelszungen überredet werden, dem Deal zuzustimmen. Wer weiß, was man dem 79-jährigen alles zugestehen musste, damit er unser Geld annimmt. Mal schauen, wieviel Zeit dem adipösen Bluthochdruck-Patienten noch bleibt, um seinen Pyrrhussieg zu feiern – wenn er mal bei den Fischen landet, wird man ihm sicher keine süßen Reisbällchen hinterherwerfen.

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