Zum Inhalt springen

Schmerzfrei

Podcast

Es lief alles so gut für ihn. Während sich die anderen Kanzlerkandidaten mit Fehlern selbst ins Aus schossen, glänzte Markus als kompetentester Krisenmanager der Republik. Und was macht man, wenn es gut läuft? Man lässt die anderen an seinem Glück teilhaben und gibt einen aus. Markus hat daher eine Runde Corona-Tests spendiert. Einfach so.

Einmal freies Testen für alle. 

Natürlich kamen die Menschen in Scharen von nah und fern, so wie das üblich ist, wenn es irgendwo Freibier gibt. Sie überrannten die Teststationen, darunter auch etliche Analphabeten, die nicht in der Lage waren, die handschriftlichen Fragebögen korrekt auszufüllen. Nur mit Hilfe von ehrenamtlichen Kryptologen konnten viele der Testergebnisse zugestellt werden. Mit einwöchiger Verspätung. Darunter angeblich auch 1.000 Corona-Positive.

Die Teststationen wurden überrannt. Ein Höllenjob bei 32 Grad.

Ich habe den Vorfall meiner chinesischen Freundin erklärt und sie dachte, ich mache einen Scherz. Warum man  denn die Tests nicht digital mit Computern abgewickelt hätte? Ich meinte, es hätte wohl schnell gehen müssen. Aber Computer seien doch viel schneller, meinte sie. Ich sagte, dass die ehrenamtlichen Tester damit wahrscheinlich überfordert gewesen seien. Warum wir denn unsere Tester nicht bezahlen würden? Weil das den Markus sonst zu teuer kommen würde, meinte ich. Warum denn der Markus so geizig sei?

Der Markus ist nicht geizig, er hat es gut gemeint, er hat halt nur nicht gut nachgedacht oder vielleicht nicht genug Sauerstoff im Hirn gehabt, wegen der Masken und der Hitze und so…

Ach so, der arme Markus.

Der Markus ist ein sensibler Junge, der sich an Fasching gerne mal verkleidet.

Alle stürzen sich auf den armen Markus.

Natürlich haben sie sich infolge alle auf ihn gestürzt wie die Hyänen. Von wegen, nur wer Krise kann, kann auch Kanzler. Darauf hatten sie nur gewartet, dass der bayerische Corona-Streber stolpert und sie ihm ordentlich Klassenkeile verpassen dürfen. Dass Ablehnung, Spott und Häme für Markus Entwicklung ganz besonders schädlich sind, ist ihnen natürlich egal. Wie bereits in meinem früheren Blog-Beitrag, Verkannter Dalai Lama, erörtert, ist Markus nämlich – astrologisch betrachtet – ein ganz besonders sensibler Junge, der sehr viel Aufmerksamkeit und Liebe braucht, um zu einem großen Kanzler zu gedeihen.

Der Andi ist tendenziell eher der schmerzfreie Typ.

Der schmerzfreie Andi sitzt alles aus: 

Maut-Debakel, Augustus-Intelligence-Skandal, revidierte Bußgeldkataloge, Mail-Affäre, Plagiatsskandal und vieles mehr. Das Pannenportfolio des Verkehrsministers ist lang. Sogar in Sachen Corona, was ja strenggenommen gar nicht so wirklich unter Verkehr und Transport fällt, hat er sich einen Klops geleistet. Er prahlte zu Pandemie-Beginn in seiner heimatlichen Lokalpresse damit, mal eben „mehrere hundert Millionen Masken aus China zu besorgen“. Kurz nachdem er die ersten zehn Millionen Masken medienwirksam am Münchner Flughafen entgegengenommen hatte, stellte sich heraus, dass diese Schrott waren.

Bei Ankunft der Masken strahlte Andi noch, beim Auspacken der chinesischen Cargo-Fracht verging ihm das Lachen.

Niederbayern sind robuster als Chinesen.

Scheuer hatte wohl billigste Ausschussware zu Dumpingpreisen in China ersteigert. Womöglich auf einem der vielen Fake Markets, wo man echte Rolex für 100 Euro bekommt. Aber egal wo, es waren Masken, die in China wegen mangelndem Schutzfaktor nicht verkäuflich waren. Womöglich hat der Andi gedacht, seine robusten niederbayerischen Nachbarn müssen sich nicht so gut schützen wie die zarten kleinen Chinesen. Würde zu seinem rassistischen Gedankengut passen. Hatte er doch während der Flüchtlingskrise einst ungeniert verlauten lassen, was er von Ausländern und deren Integration hält: „Das Schlimmste ist ein Fußball spielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist, weil den wirst du nie wieder abschieben.“ Ja, der Andi sagt was er denkt. Oder vielleicht denkt er auch nicht so viel, der Andi.

Ein lässiger Hund mit dem man gut Party machen kann.

Eine redselige Mitarbeiterin seines Büros hat unlängst, in geselliger Runde, ein paar intime Einblicke in die Gedankenwelt des Herrn Scheuer gegeben, ohne zu ahnen, dass ihre Aussagen sich infolge in den Sozialen Netzwerken wiederfinden würden:

„Der Andi hat echt von nix irgendeine Ahnung.“

Ja, er würde sich selbst sogar immer wieder wundern, dass er ein Minister sei. Aber dass er privat total nett sei und man super mit ihm Party machen und saufen könne. Und dass Andi soviel Spaß an sein Ministeramt habe, dass er es niemals freiwillig aufgeben würde. „Macht ja eh keiner was dagegen. Der kann machen was er will.“ Da hat sie wohl recht. Der Andi kann machen was er will und bleibt trotzdem im Amt.

Von wegen individuelle Freiheit ist in China nichts wert. Da die Hausbesitzerin nicht weichen wollte, wurde um sie herum gebaut.

Schmerzfreiheit zahlt sich immer wieder aus.

Ein Phänomen, das man weltweit beobachten kann. Nicht nur in der Politik, sondern auch beim kleinen Bürger. Frau Liang in der chinesischen Metropole Guangzhou weigerte sich jahrelang standhaft, ihr Haus zu verkaufen, das einer vierspurigen Autobahnbrücke weichen sollte. Zehn Jahre hatte die Stadt mit ihr verhandelt, doch die Frau wollte das Haus partout nicht verlassen. Zumindest nicht ohne, dass man ihr vier Immobilien als Ersatz überlässt. Nun lebt sie inmitten der Haizhuyong-Brücke. Die Stadtplaner haben einfach um sie herum gebaut. Frau Liang: „Man könnte meinen, dass diese Umgebung schlecht ist, aber für mich es schön ruhig und komfortabel.“ Schmerzfrei halt, wie der Andi.

Peggy hat eine Standleitung nach oben

Peggy ist das Gegenteil von schmerzfrei. Sie fühlt den Schmerz von anderen Menschen. Sehr stark sogar, was nicht immer spaßig für sie ist. Vor 400 Jahren wäre sie als Hexe auf dem Scheiterhaufen gelandet, aber heute verdient sie ihre Brötchen als Medium. Nach mehreren Nahtoderlebnissen hatte die gelernte Fremdsprachensekretärin einst verstärkt Nachrichten aus dem Jenseits erhalten und auf Hellseherei umgeschult. Kein Jahrmarkt-Hokuspokus mit Glaskugel und dergleichen, nein, sie hat tatsächlich eine Standleitung nach oben. Menschen unterschiedlichster Couleur, darunter auch einige namhafte Persönlichkeiten, suchen regelmäßig Rat bei ihr. Zudem schult Peggy Nachwuchstalente, unter anderem auf der weltweit renommiertesten Schule für paranormale Wissenschaften, dem Arthur Findlay College in Stansted.

Das Arthur Findlay College in Stansted ist eine Art Hogwarts für angehende Harry Potters.

Peggy ist eine anerkannte Koryphäe auf ihrem Gebiet. Kein Wunder also, dass auf ihrem gestrigen Sommerfest, in Eching bei München, viele angehende Hexen und Zauberlehrlinge zugegen waren. Ich mittendrin. Eine große Ehre. Und auch ein großer Segen für mein Nervenkostüm, da ich jetzt sicher weiß, dass ich kein Corona habe und laut Peggy auch keines bekommen werde. Natürlich hatte jemand mit Peggys weitsichtigen Fähigkeiten, keine Virusträger eingeladen. 

Hätte der Markus mal lieber die Peggy als Testerin engagiert. 

Dann wäre er jetzt besser dran. So wie ich. Denn natürlich gab es neben Speis, Trank und Musik auch ein paar übersinnliche Botschaften für mich. Diese ergaben nicht alle einen Sinn. So würde ich wohl demnächst ein paar Schuhe verlieren und hätte irgendwas mit einem Whiskey-Fass zu schaffen. Klingt ein klein wenig schräg, aber ich weiß aus vergangenen Prophezeiungen, dass es kurz über lang immer einen Sinn ergeben wird. Und sei es nur, dass ich mich aus Verzweiflung über meine verlorenen Schuhe mit Whiskey betrinken werde. Ein paar andere Bemerkungen waren jedoch sehr sinnig.

Shanghai in zehn Stunden anfliegen? Nur zu stemmen, wenn man Zauberkräfte besitzt.

Die beste Nachricht nach sechsmonatiger München-Quarantäne: Es geht bald wieder los. Du kannst deine Schuhe schon mal schnüren. Ein zehnstündiger Flug wartet auf dich! Das ist erfreulich. Aber auch verwirrend. Ich habe Shanghai im Visier. Der Flug dorthin dauert von München gewöhnlich zwölf Stunden. In zehn Stunden kann man in China allerhöchstens Peking erreichen. Da will ich aber nicht hin. Gar nicht.

Was für ein Dilemma.

Was soll ich bloß tun? Ja, es ist nicht immer gut zu viel über seine Zukunft zu wissen. Und zu viel Denken und Grübeln ist auch nicht gut. Vielleicht sollte ich mehr wie der Andi sein und es einfach alles laufen lassen und schmerzfrei sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: