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Kommunikation

China Fashion Week

Die China Fashion Week stand an und meine Agentur hatte Kunden, die mich für den Catwalk buchen wollten. Ich hatte jedoch mit Knieschmerzen zu kämpfen und ein humpelnder Auftritt schien mir keine gute Idee. Die Nachwehen von einem Unfall in den Tiroler Bergen, kurz vor meiner Abreise, die ich eigentlich auskuriert wähnte, aber der Klimazonenwechsel oder auch nur meine Abneigung gegen Catwalks hatten die Schmerzen wieder aufpoppen lassen. Die Apothekerin, der ich mit Fingerzeig auf mein Knie und schmerzverzerrtem Gesicht erklärte, was mein Problem ist, konnte zwar kein Wort Englisch, hatte mich aber trotzdem sofort verstanden.

Viagra fürs Knie

Fröhlich nickend führte sie mich in den hinteren Teil der Apotheke und kramte die hiesige Medizin gegen Kniebeschwerden hervor. Zwei Produkte hatte sie im Angebot. Viagra und Cialis. Very good. Sie hatte wohl eigene Vorstellungen davon, was bei einem großen Mann wie mir, auf Kniehöhe so Beschwerden bereitet. 

Chinesisches Allheilmittel: Akupunktur

Nachdem mir Potenzmittel keine gute Option schienen, um meine Schmerzen zu behandeln, suchte ich einen Arzt in der Nachbarschaft auf. Traditional Chinese Medecine. Das Schild am Eingang und die fünfzig Patienten, die im Eingangsbereich auf Behandlung warteten, hatten mich sofort überzeugt, dass das keine schlechte Adresse sein könnte. Ich war sofort die größte Attraktion in der total überfüllten Praxis. Alle Augen auf mir. Der muss ja sterbenskrank sein, wenn der sich hierhin verirrt.Auf Ausländer waren sie nicht eingestellt. Keiner von den Ärzten oder Krankenschwestern sprach Englisch. Also wieder aufs Knie deuten und leidend dreinschauen. Funktionierte. Ich wurde auf eine Liege gebeten und der Arzt hatte ruckzuck verstanden, um was es ging.

Mein Hausarzt bei der Arbeit für 5 Euro

Er tastete mein Knie ab und erklärte mir, anhand seiner Translation App, dass er mir ein paar Akupunkturbehandlungen empfehlen würde. Kostenpunkt: Fünf Euro für jeweils 30 Minuten. In München zahle ich 80 Euro, wenn ich mich gelegentlich wegen meiner Sinusitis akupunktieren lasse. Also einmal Sinusitis dazu gebucht. Die nächsten zwei Wochen war ich Stammgast in seiner Praxis und wurde Zeuge einiger seltsamer Behandlungsmethoden um mich herum, die nicht nur lange Nadeln, sondern auch Feuer, Lötkolben und Schröpfgläser beinhalteten. Und wiedermal erlebte ich eine unglaubliche Hilfsbereitschaft, die weit über berufliche Pflichterfüllung hinausging.

Man muss gut zu Fuß sein, um Peking zu erkunden

Leider zeigten die wundersamen Methoden des chinesischen Heilers nicht den gewünschten Erfolg. Und seine Beteuerung, dass chinesische Medizin nur langsam funktioniere, und ich mir Zeit und Ruhe gönnen solle, war für mich nicht akzeptabel. Ich war in einer Metropole mit 22 Millionen Einwohnern und unzähligen Sehenswürdigkeiten, da kann man sich doch nicht auf der Couch ausruhen. Also doch zum klassischen Mediziner nach westlichem Vorbild.

Einmal West-Medizin: 450 Euro

War gar nicht so einfach einen zu finden, aber nach einigen Recherchen war ich im englischsprachigen Hong Kong MedicalCenter gelandet. 90 Minuten später war ich um 450 Euro ärmer, aber drei Tage später humpelte ich dafür nicht mehr. Eine simple Stützbandage und vielleicht auch das Wissen, dass das auf dem Röntgenbild alles nur halb so wild aussah, hatten mich kuriert. Ich bin halt doch noch kein richtiger Chinese. 

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