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Was für ein Gemetzel

Fronleichnam also. Der wahrscheinlich unsinnigste Feiertag aller Zeiten. Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie, in der Liturgie auch Blutstag genannt, ist zwar so alt wie das Christentum, wurde aber erst infolge des Blutwunders von Bolsena (im Jahr 1264) zum offiziellen Kirchenfeiertag erklärt. Ein von Glaubenszweifeln geplagter Mönch bereitete die Hostien für das Abendmahl vor, als er blutrote Verfärbungen auf ihnen entdeckte. Die Deutung für ihn und alle anderen war klar: Die Hostien haben angefangen zu bluten, um ihm zu zeigen, dass geweihte Hostien keine gewöhnlichen Oblaten, sondern der wahrhaftige Leib Jesus Christi sind.

Blutige Geschäfte mit dem Leib Christi

Seit 1819 weiß man, dass es ein Stäbchenbakterium, Serratia marcescens, gibt, welches auf kohlenhydrathaltigen Nährboden einen leuchtend roten Farbstoff bildet. Bis dahin hatte das vermeintliche Wunder bereits vielen Pfandleihern das Leben gekostet, bei denen im Mittelalter gerne Hostien als Pfand hinterlegt wurden. Als diese wieder ausgelöst wurden und sich darauf blutrote Verfärbungen zeigten, beschuldigte man den Geldverleiher, zumeist Juden, dass er den Leib Jesus Christi geschändet hätte. Infolge landete er samt Familie auf dem Scheiterhaufen. So z.B. geschehen 1492 in Sternberg, Mecklenburg, wo wenig später die Heilige Blutkapelle errichtet wurde. Infolge entstand ein regelrechter Blut-Hostien-Boom, an dem die Kirche fleißig verdiente. Wenn das mal kein zeitgemäßer Grund zum Feiern ist.

Gemetzel beim Zahnchirurgen

Passend zum Blutfest musste ich beim Oralchirurgen eine sehr unangenehme Wurzelspitzenresektion über mich ergehen lassen und habe infolge einen gefühlten Liter Blut verloren. Meinen nächsten Aderlass kann ich mir daher schenken. Ich habe danach dank guter Betäubungsmittel 24 Stunden durchgeschlafen und weitere 24 Stunden gebraucht, um diese Zeilen zu schreiben, da mein Sehnerv aus irgendeinem Grund auch verrückt spielte. Was für ein Drama wegen einer blöden kleinen Wurzelspitze.

Da frage ich mich, wie die Menschen das früher weggesteckt haben. Oder wie die das in der Ukraine handhaben, wenn neben all den Kriegsverletzungen, jemand über so etwas Profanes wie Zahnschmerzen klagt. Wobei man selbst in England dieser Tage mit Zahnschmerzen nicht ernst genommen wird. Ein Normalsterblicher wartet dort locker ein halbes Jahr auf einen Arzttermin, wie mir englische Freunde berichten. Ihre Gebisse sprechen Bände. Nicht umsonst sind opioidhaltige Medikamente wie Co-Codamol dort freiverkäuflich. 

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Kampen – wo Fremdschämen schon immer leicht fiel

Ja, man kann schon froh sein, in Deutschland zu leben dieser Tage. Natürlich nicht so froh, dass man es in Liedern besingen muss. Erst recht nicht, wenn man einer privilegierten Oberschicht angehört, für die eh keine normalen Regeln gelten. Dennoch empfinde ich die Aufregung rund um das Sylt-Video als maßlos übertrieben. Ein paar betrunkene Rich Kids, haben das getan, was sie schon immer tun auf der Sylter Whiskey-Meile: Sie haben sich danebenbenommen. Das ist nichts Neues. Kampen ist seit jeher ein Ort an dem einem das Fremdschämen leicht fällt. Ich habe dort vor 20 Jahren auch schon peinliche Entgleisungen erlebt.

Wenn der Bundeskanzler Saufgelage kommentiert

Dennoch ist die Aufregung groß. Sogar der Bundeskanzler zeigte sich öffentlich schockiert. Vielleicht auch weil ihm jetzt erst klar wurde, in welcher Entourage sein Finanzminister vor zwei Jahren, ein paar Häuser weiter, in der Sansibar, seine Hochzeit gefeiert hatte. Und der Wirt vom Pony Club, dem Tatort des Geschehens, der den Kindern für mehrere tausend Euro Alkohol verkauft hat und in dessen Lokal derlei wilde Partys an Pfingsten üblich sind, hat zwei Wochen später seinen Gästen medienwirksam Hausverbot erteilt. Er hatte das vermeintliche Nazi-Gegröle im Eifer des Gefechts angeblich nicht mitbekommen. Er war wohl zu sehr mit Geld zählen beschäftigt gewesen.

Nazis oder dumme Kinder?

Und nein, das ist Sylt-Drama ist keine neue Netflix-Show (obwohl es womöglich bald eine wird), sondern tatsächlich passiert. Bestimmt nicht zum ersten Mal, aber halt zum ersten Mal auf Video. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, wurde gesungen. Das ist rassistisches Gedankengut, das verurteilt gehört, aber das ist kein Nazi-Song. Und ein paar wohlstandsverwahrloste betrunkene Kinder mit Fotos und Namen in Zeitungen als Nazis zu brandmarken, halte ich für ethisch genauso fragwürdig wie das Liedgut. Einige haben ihre Jobs deswegen verloren, Familienangehörige wurden massiv bedroht und eine Universität erwägt die Exmatrikulation einer beteiligten Studentin. Ob das juristisch überhaupt vertretbar ist? Gut, die Betroffenen fallen weich, weil sie angeblich alle superreiche Eltern haben, aber dennoch: was für ein unverhältnismäßiges Gemetzel!

Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty! Guilty!

In Amerika hätte die massive Sylter Nazi-Berichterstattung ein schlechtes Licht auf Deutschland geworfen, berichtet Moderator Markus Lanz, der zum Tatzeitpunkt in den USA weilte. Wahrscheinlich der größte Schenkelklopfer der Woche. Schlechtes Licht aus den USA? Ich lach’ mich kaputt. Wie oft wurde ich in Amerika gefragt, ob ich aus Ost- oder Westdeutschland käme und was denn eigentlich aus diesem Hitler geworden wäre.

Aber es gibt Hoffnung für Amerika. Donald Trump wurde just zum Blutfest in allen Anklagepunkten für schuldig gesprochen. 34 Mal verlasen die Geschworenen: „Guilty!“ Damit ist er als erster Ex-Präsident der USA in einem Strafprozess verurteilt worden. Zwar nur wegen einer juristischen Lappalie, aber das hat ja Tradition in den USA. Der Mafiaboss Al Capone wurde seinerzeit auch nicht wegen seiner vielen Auftragsmorde, sondern wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Daher besser als nichts. 

Trumps Arsch wäre im Knast sicher

Die Strafmaßverkündung steht noch aus, aber sollte Trump tatsächlich ins Gefängnis müssen, hätte er auch dort Anrecht auf Schutz durch Secret-Service-Agenten. Sein Glück, denn sein Präsidentenarsch würde dort bestimmt als begehrtes Lustobjekt herumgereicht werden. Sogar Al Capone hatte sich seinerzeit im Knast eine tödliche Syphilis-Infektion eingefangen. Aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten darf ein Ex-Präsident bestimmt ein iPad mit ins Gefängnis nehmen. Auf dem kann er sich dann Pornos von Stormy Daniels reinziehen. Umringt von Personenschützern, damit niemand seinen kleinen Donnie sieht, der laut Frau Daniels ja eher jämmerlich sein soll.

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