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Wuhan is back

Vor einem Jahr in Peking

An diesem Wochenende wird in China das Qingming-Fest, das Totengedenkfest, begangen. Ein offizieller Feiertag, an dem man den Verstorbenen Dinge opfert, die ihnen zu Lebzeiten gefielen, um sie dadurch freundlich gegenüber ihren Nachfahren zu stimmen, deren Geschicke sie leiten. Ahnenkult ist die gängigste und zumeist auch einzige Form von Religion, die man in China praktiziert. Manche legen Süßigkeiten, Blumen oder Spielzeugautos auf die Gräber ihrer Ahnen, aber die meisten opfern einfach ein wenig Geld. Bei Geld liegt man in China immer auf der sicheren Seite. Das gefällt jedem Chinesen. Geld hat für die Chinesen eine fast spirituelle Bedeutung.

Ich hatte mich gewundert, als vor einem Jahr in meiner Pekinger Nachbarschaft, an mehreren Stellen Geld verbrannt wurde. Warum und wieso hatte ich nicht weiter hinterfragt. Ich war damals noch ein dummer laowai, ein langnäsiger Neuankömmling, dem täglich soviel schräge Sachen passierten, dass ich mich über ein paar brennende Banknoten nicht übermäßig wunderte, zumal in China eh kein Mensch Bargeld benutzt. Wahrscheinlich war das Papier nichts wert, dachte ich mir. Ein paar Tage zuvor hatte man mir im Supermarkt noch ein Bündel Geldscheine hinterhergetragen, das mir aus der Hosentasche gefallen war. Ich hatte mich höflichst bedankt, wurde aber von der Dame trotzdem irgendwie beschimpft. Ich hatte zwar kein Wort verstanden, aber nachträglich ergab ihre vorwurfsvolle Mimik plötzlich Sinn. Sie hatte wohl gemeint, ich solle meinen Müll gefälligst woanders entsorgen.

China war auch vor Corona schon schräg

Ja, so unbedarft hatte ich mich einst ans Abenteuer China herangetastet, um dann ein Jahr später stolzer Inhaber von 179 chinesischen WeChat-Kontakten zu sein. Dafür werde ich zwar von meinen chinesischen Freunden gerne belächelt, denn die bewegen sich alle im deutlich vierstelligen Bereich, aber trotzdem habe ich meine 179 Kontakte gut genutzt. Mit rund einem Drittel von ihnen habe ich sehr ausführliche Interviews geführt. Intime Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Couleur, die mir sehr berührende und auch schockierende Einblicke in ihre Leben gewährten. Bei nicht wenigen dieser Begegnungen sind Tränen geflossen. Und aus einigen dieser Begegnungen sind infolge emotionale Verbindungen entstanden, die auch durch Pandemie-bedingte Grenzschließungen nicht ausgehebelt werden können.

Ich bin zwar ein Jahr später immer noch ein unwissender dummer Ausländer – um China auch nur halbwegs zu verstehen braucht ein Westler bestimmt ein ganzes Leben – aber zumindest habe ich ein Gefühl für das Land und seine Bewohner entwickelt. Und mein Gefühl ist von Respekt, Zuneigung und Mitgefühl geprägt. Man könnte es auch Liebe nennen. Und da ich mit meinen Gesprächspartnern vordergründig über ihr Liebesleben gesprochen habe, entstand der doppeldeutige Blog-Titel: Verliebt in China.

Catherine stammt aus Wuhan

Eine meiner engeren Freundinnen in China ist Catherine. Sie entspringt einer renommierten Militär-Dynastie aus Wuhan. Ihr Vater, mittlerweile in Rente, hatte einst die erste SWAT-Einheit des Landes gegründet. Seit gestern können Catherine und ihre Familie wieder aufatmen. Die strengen Quarantäne-Regeln sind endlich aufgehoben. Ausgerechnet am Tag der Toten, begann das Leben wieder seinen Lauf zu nehmen. Landesweit gedachte man den Corona-Opfern mit Gedenkminuten und setzte alle Flaggen auf Halbmast. Sogar das Internet wurde kurzfristig komplett auf Schwarzweiß umgestellt. Eine große Geste im Land der Digital-Junkies. Hoffentlich groß genug, um die Ahnen im Jenseits zu beeindrucken.

Wuhan is back

Dass das Virus ausgerechnet in Wuhan seinen Lauf nahm, ist für viele kein Zufall. Die Großmächte schieben sich in einer Propagandaschlacht gegenseitig die Schuld zu. Ich bin zwar kein Fan von Verschwörungstheorien, aber an Zufälle glaube ich, als spirituell orientierter Mensch, trotzdem nicht. Vor allem nicht bei so etwas Großem wie einer Pandemie. Irgendeinen tieferen Grund wird es schon geben, warum Wuhan so im Focus des Dramas steht. Und sei es nur der perverse Wildtier-Verzehr. Aber es gäbe auch andere Optionen: Wuhan ist die Mitte der Volksrepublik. Nicht nur geographisch, sondern auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Da von Wuhan aus, alle wichtigen Metropolen des Landes, wie Peking im Norden, Hongkong im Süden, Shanghai im Osten und Chongqing im Westen, gleichgut erreichbar sind, wird von hier aus für Ordnung im Lande gesorgt.

Sicherheitszentrale Wuhan

In Wuhan haben diverse Militäreinheiten und vor allem Sondereinsatzkräfte ihre Hauptstützpunkte. Letzten September noch hatte Außenminister Steinmeier das SWAT-Trainingsgelände in Wuhan besucht, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich die chinesischen Sicherheitskräfte auf die Winterolympiade vorbereiten. Wuhan ist bekannt bei den Staatsoberhäuptern der Welt. Sie wissen: Wenn man die Volksrepublik empfindlich treffen möchte, dann gibt es wahrscheinlich kein besseres Ziel als Wuhan. Auf der anderen Seite gibt es an solch einem kriegerischen Ort bestimmt auch Labore, in denen an irgendwelchen perversen Waffensystemen geforscht wird. Sprich Wuhan eignet sich bestens für Demagogen in West wie Ost, um sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben. Eine leidige Diskussion, die derzeit wohl niemand weiterbringt. Aber die Wahrheit wird bestimmt irgendwann ans Licht kommen. Irgendwann kommt sowieso immer alles raus.

4 Kommentare

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