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Die Qual der Wahl

Podcast

Der Herbst ist da. Die Chinesen feierten den Jahreszeitenwechsel traditionell mit dem dreitägigem Mid-Autumn Festival. Es ist nach dem Neujahrsfest das wichtigste Fest im Land und die meisten mussten nicht arbeiten. Die freien Tage waren jedoch nicht geschenkt, nein, sie werden an anderen Sonntagen wieder wettgemacht. Ganz normaler Chinese Style. Im modernen China gilt die Arbeits-Maxime: 996 – von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an 6 Tagen die Woche. Und während die Chinesen eine dreitägige friedliche Fressorgie feierten, wurden in den USA rund 150 Menschen ermordet, zumeist auf offener Straße erschossen. Circa 375 Menschen starben zeitgleich an heilbaren Krankheiten, die aufgrund fehlender Krankenversicherung nicht behandelt werden konnten. Laut Statistik drei ganz normale Tage im Land der unbegrenzten Möglichkeiten..

Sodom und Gomorrha wohin man schaut.

Ja, es gibt Wirtschaftsmächte mit größeren Problemen als wir sie haben. Dabei muss man nicht mal übern Teich schauen. In Frankreich wurde ein Ex-Präsident vor kurzem zu drei Jahren Haft verurteilt, in Österreich der Vizekanzler zu 15 Monaten, der korrupte Ex-Finanzminister sogar zu acht Jahren, in Spanien floh der König vor dem Finanzamt nach Abu Dhabi ab, in Italien werden Staatsanwälte auf offener Straße hingerichtet und Ministerpräsidenten feiern Sexorgien mit Minderjährigen. Sodom und Gomorrha, wohin man schaut. Dagegen wirken unsere Streitereien um Plagiate, dreiprozentige Steuererhöhung, zwölf Euro Mindestlohn, deplatziert grinsende Kanzlerkandidaten und Maskendeals, wie Pipifax.

Grün geht leider nicht mehr…

Egal wer unsere nächste Regierung bildet, es wird keinen spürbaren Unterschied geben. Also zumindest nicht für Normalos wie mich. Ich bin weder Großgrundbesitzer, noch gehöre ich zum Proletariat. Ein Regierungswechsel wird daher in meinen Alltag kaum zu spüren sein. Außer, dass ich die nächsten vier Jahre mit Visage und Stimme des neuen Kanzlers in den Nachrichten konfrontiert sein werde. Was es mir schon mal unmöglich macht die grüne Trulla – nein, ich bin kein Fan vom Gendern – zu wählen, denn, mal abgesehen von ihren propagierten Gestapo-Methoden nach schwäbischem Vorbild, ertrage ich ihre Stimme einfach nicht. Ich kann daher diesmal nicht Grün wählen.

Die Qual der Wahl: Lieber Tiere schützen oder lieber Maschmeyer enteignen?

Was also tun? Ich habe daher mal den Wahl-O-Maten gefragt. Und auch die Tinder-Variante, den Wahlswiper. Beide meinten, ich solle die Tierschutzallianz wählen. Wie sie darauf kommen, verstehe ich nicht, da es im gesamten Fragenkatalog keine einzige Tierfrage gibt. Gut, ich esse kein Fleisch und bin daher natürlich irgendwie Tierschützer, aber ansonsten habe ich mit aktivem Tierschutz nicht viel am Hut. Eher im Gegenteil. Einige der unangenehmsten Menschen, die ich kenne, sind Tierschutzaktivisten. Zumeist weiblich, gerne fanatisch, gerne laut, gerne etwas autistisch im Umgang mit Menschen, aber dafür mit gaaaanz viel Herz für Straßenköter aus der Dritten Welt. Nein, danke, da reihe ich mich sicher nicht ein.

Das Tinder-Quiz zur Bundestagswahl:

https://www.voteswiper.org/de/deutschland/bundestagswahl-2021

Dann vielleicht doch lieber die SGP, die sozialistische Gleichheitspartei, die mir als Alternative vom Automaten vorgeschlagen wird. Warum die, vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestufte SGP meinem Gedankengut entsprechen soll, verstehe ich auch nicht. Von Gleichheit halte ich nichts. Ok, mein Herz schlägt natürlich eher links, klar, auf der rechten Seite gibt’s schließlich kein Herz. Natürlich bin ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen und dafür, dass Superreiche höher besteuert werden, der Wohnraum bezahlbarer wird, die katholische Kirche enteignet wird und man Herzogin Meghan die Kreditkarten sperrt, aber was soll denn daran bitte linksextrem sein? Ich bin ein toleranter Mensch. Mein Motto lautet leben und leben lassen. Ok, vielleicht nicht Assad, Lukaschenko, Lauterbach und die Taliban, aber ansonsten alles easy.

Wenn ein paar Höhlenbewohner eine Hightech-Armee überrollen…

Das mit den Taliban und Afghanistan ist irgendwie zu pervers, als dass ich da irgendeine Form von Toleranz empfinden könnte. Eine 300.000 Mann starke afghanische Armee – vom Westen geschult und mit Hightech-Waffen im Wert von 83 Milliarden Dollar ausgestattet – hat sich von 70.000 Höhlenbewohnern überrollen lassen. Das zeugt nicht von großem Drang nach demokratischer Freiheit und beweist zugleich, wie unsinnig derlei Kriegseinsätze sind. Jetzt ist das Geschrei groß, und wir müssen es ausbaden. Dabei ist es das Erbe von George W. Bush, dem größten Versager unter all den US-Präsidenten (Filmempfehlung: „W.“ von Oliver Stone).

„Wir verzeihen Deutschland.“

Gott sei Dank sehen die Taliban das genauso und verzeihen uns, dass wir so treu doof waren, dem amerikanischen Bündnispartner beizustehen. Vergeben und vergessen, wie sie meinen. Ja, gegen Deutschland hätten sie nichts, gegen unser Geld sowieso nicht, ja, sogar Angela Merkel sei herzlich willkommen, einen Antrittsbesuch im Land der Frauenschänder zu machen. Man stelle sich die Bilder vor: Angie mit Kopftuch und Blumenstrauß freundlich lächelnd zwischen lauter schwerbewaffneten Folterknechten – das wäre ein Vermächtnis, das ihr ewige Beachtung in den Geschichtsbüchern bescheren würde.

„Sorry, die Kanzlerin kann gerade nicht nach Kabul kommen, aber vielleicht nach der Wahl…“

Dass das leider gerade nicht stattfinden kann, weil die deutsche Bundeskanzlerin so viel um die Ohren hätte, wegen den Wahlen und Corona und so, muss Heiko Maas den Jungs gerade verkaufen. Mit Samthandschuhen. Seit Wochen verhandelt er mit den Herrschaften, macht Zugeständnisse, verspricht Gelder, um sicherzustellen, dass er möglichst viele Flüchtlinge aus dem Land bekommt. Es wird uns viel Geld kosten. 600 Millionen Euro sind jetzt schon versprochen. Davon wird natürlich nur ein Bruchteil bei der leidenden Bevölkerung ankommen. Der Löwenanteil geht an die Herren Terroristen, die ganz schnell lernen werden, wie man Geld anonym auf ausländischen Konten parkt oder in Bitcoins umwandelt. Ein Teil unserer Hilfsgelder wird sicher in die Agrarwirtschaft investiert, um die Heroinproduktion zu optimieren, was dann wieder auf unseren Straßen landen wird, wo es tausenden von Menschen Leid und Elend bescheren wird.

Heiko Maas als Kanzler!

Und während wir das alles ertragen und erleiden, nutzt China die Gunst der Stunde, um freundschaftliche Kontakte zu den neuen Machthabern aufzubauen und ihnen ihre Lithium-Vorräte zu Dumpingpreisen abzukaufen. Daraus entstehen dann viele neue Huawei-Smartphones und BYD-Elektroautos, die den Weltmarkt überschwemmen und Joe Biden zum Kotzen bringen, weil diese Scheißchinesen einfach nicht nach seiner Pfeife tanzen. Ursache und Wirkung – das Gesetz der Kausalität. Heiko Maas weiß das alles und bestimmt noch viel mehr. Er sitzt trotzdem mit den Jungs am Verhandlungstisch. Er darf dabei weder lachen noch kotzen. Was für eine Leistung. Chapeau! Wenn ich könnte, würde ich Heiko Maas zum Kanzler wählen.

„Das viele Wasser macht mich durstig!“

Für einen kleinen Moment hatte ich sogar Armin Laschet in Erwägung gezogen. Nicht, weil ich ihn für kompetent halte, nein, einfach nur weil er mir leidtut. Furchtbar wie sie alle auf den armen kleinen Kerl eindreschen. Er besucht das Flutkatastrophengebiet, versprüht gute Laune, will Mut machen und wird dafür öffentlich massakriert. Dabei hat der Rheinländer bestimmt einfach nur Durst bekommen angesichts all des vielen Wassers und sich nach einem Bierchen gesehnt. Ja, das ist Wahlkampf, sie dreschen aufeinander ein, wo sie nur können. Und da bei uns keiner echte Leichen im Keller hat, sind es halt die kleinen Lacher am Rande einer Beerdigung.

Lieber langweilig als amerikanisch.

Deutlich windschnittiger als die anderen Kandidaten ist Olaf Scholz. In der New York Times wurde er als Langweiler verspottet und man meinte zudem, es sei aufregender einem Topf kochendem Wasser zuzuschauen, als den deutschen Wahlkampf zu verfolgen. Klar ist das hier alles langweilig verglichen mit den blutigen Gemetzel, die man sich in den USA liefert. Schmutziger und korrupter kann Politik kaum sein. Da lobe ich mir doch unser System.

Schwänze stören beim Regieren.

Patrick Dempsey alias McDreamy, den ich während der IAA zum Interview traf, meinte, es sei ein Traum in Deutschland zu leben. „Ich beneide euch. Es ist ein Privileg in so einem wunderbaren Land leben zu dürfen. Angela Merkel hinterlässt ein schönes Erbe. Wenn mehr Frauen an der Macht wären, dann wäre die Welt bestimmt eine friedlichere.“ Da hat er recht. Frauen haben den Vorteil, dass sie in der Regel nicht so gerne mit Säbeln rasseln und sich nicht dauernd größer machen müssen als sie sind. Einfach weil sie keinen Schwanz haben. Schwänze stören beim Regieren.

Markus Söder – wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt…

Malu Dreyer wäre vielleicht eine gute Option gewesen. Aber verpasst. Jetzt halt Olaf Scholz. Der scheint zumindest kein sehr großes Problem zwischen den Beinen hängen zu haben, ja, er wirkt eher ein wenig asexuell. Vielleicht ist das gar nicht schlecht? Markus Söder hätte eigentlich eine sehr weibliche Seite, aber er lässt sie nur an Fasching zu. Unterm Jahr macht sein Pimmel mit ihm was er will. Wag the dog – wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt, nennt man das. Jetzt bellt er nur noch aus der zweiten Reihe und tobt sich auf Instagram aus. Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, ok, da ist noch Luft nach oben, er hat noch nicht Bohlen-Qualität, aber er hat ja auch noch vier Jahre Zeit bis zur nächsten Wahl.

Vielleicht wäre Dieter Bohlen ein guter Verkehrsminister?

Dieter Bohlen ist eine echte Gute-Laune-Pille. Wann immer es mir schlecht geht, schaue ich mir seine Instagram Storys an. Das relativiert mit einem Schlag all meine Probleme. Der arme Kerl kann sich nicht damit abfinden, dass er von seinem Arbeitgeber gekündigt wurde und demonstriert unermüdlich seinen Unterhaltungstalent mit kleinen Fremdschäm-Filmchen. Mit 68 Jahren und 135 Millionen Euro auf dem Konto. Total schmerzfrei. Vielleicht würde er einen guten Verkehrsminister abgeben?

Wer will schon Kanzler werden?

Wer zukünftig welchen Ministerposten belegen wird, ist ja eh völlig schnuppe. Das wissen wir nicht erst seit Jens Spahn. Unterm Strich geht’s immer um Macht. John Malkovich, den ich ebenfalls zum Thema gesprochen habe, und der seit Richard Nixons Wahlsieg nicht mehr wählen war, bringt es auf den Punkt: „Ich finde es prinzipiell beunruhigend, wenn Menschen in Positionen kommen wollen, in denen sie anderen Menschen vorschreiben, was sie zu tun haben. Da läuten bei mir alle Alarmglocken.“

2 Kommentare

  1. wolfgang wolfgang

    cooler Beitrag. Mal ausser der Norm.

  2. Friederike Heyne Friederike Heyne

    …auf den Punkt.
    Sehr analytisch, mutig und perfekt dosiert.
    Und die Ironie des Themen-Spektakels finden im Sprachduktus ihren perfekten Ausdruck!
    Danke dafür, lieber Armin Lissfeld
    Es war mir eine Freude Ihre Zeilen zu lesen.

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