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Yin und Yang

Podcast

Yin und Yang. Gut und Böse. Dunkel und Hell. Das chinesische Konzept des Dualismus dürfte wohl jedem geläufig sein. Das eine bedarf dem anderen. Nichts anderes passiert gerade. Während bei uns sukzessive alles runtergefahren wird, weil der Herbst uns angeblich sonst wie ein Tsunami wegspülen wird, tobt in China bereits wieder der Bär.

Anlässlich des achttägigen Mitherbstfestes (https://www.chinahighlights.com/festivals/mid-autumn-festival.htm), das traditionell mit dem Nationalfeiertag, am ersten Oktober, eingeläutet wird, sind derzeit 600 Millionen Chinesen auf der Rolle. Die Goldene Woche, die von der chinesischen Regierung 1999 eingeführt wurde, um den Binnen-Tourismus zu beleben und um Familienbesuche über weite Strecken zu ermöglichen, wird auch im Corona-Jahr für schwarze Zahlen sorgen.

Bahnhof von Guangzhou

Die erste Herbstwoche soll den Chinesen 51 Mrd. Euro einbringen.

Das chinesische Ministerium für Kultur und Tourismus hat eine Umsatzprognose von 410 Milliarden Yuan, umgerechnet circa 51 Milliarden Euro, ausgelobt. Damit das auch sicher klappt, wurden Flug- und Hotelpreise um 30 Prozent gesenkt, außerdem gilt freier Eintritt in die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Ja, China ist uns einen Schritt voraus. Sie sehen im Herbst keine Bedrohung, für sie soll der Herbst ein Aufschwung sein.

China hat das Virus im Griff.

Den 71. Nationalfeiertag beging die Parteiführung zwar deutlich dezenter als üblich, aber eigentlich hätten die Herren allen Grund zum Feiern. Sie scheinen das Virus im Griff zu haben. Ok, es gibt hin und wieder noch kleinere Ausbrüche, aber die werden sofort radikal ausgehebelt.

Wuhan feiert Nationalfeiertag mit Flash Mob

Virus-Outbreak in Ruili

Vor zwei Wochen noch riegelte China erneut eine Stadt ab. Im 150.000 Einwohner-Städtchen Ruili waren zwei Burma-Rückkehrer positiv getestet worden. Quasi über Nacht wurden an über 300 Standorten der Stadt 24-Stunden-Testcenter eröffnet, an denen sich jeder testen lassen konnte. Das mag für uns übertrieben klingen, aber nicht, wenn man Chinas Bevölkerung fragt. Die Sozialen Netzwerke der Volksrepublik sind vollen Zuspruchs ob der rigorosen Maßnahmen der Regierung.

Klimaziel trotz Pandemie

In Peking tobt die Automesse wie eh und je. Das Klimaziel, dass bis 2025 ein Viertel der Republik Elektro fahren muss, wurde Pandemie-bedingt zwar um drei Jahre verschoben, aber immerhin. VW, BMW und Mercedes tragen dem Rechnung und planen allesamt binnen der nächsten sechs Monate neue Stromerwerke in China zu eröffnen.

Die aufgeregten deutschen Automobilmanager, die deswegen gerade hin und her jetten, müssen zwar bei der Einreise jedes Mal zwei Wochen in Quarantäne verbringen, aber gut, was tut man nicht alles in Zeiten von Dieselgate, um sich auf dem Markt zu positionieren. Allein VW hat 15 Milliarden in China investiert, was die Hälfte ihres globalen Investments entspricht. Sprich, da läuft alles in eine Richtung, die man, egal ob China-Lover oder nicht, nur begrüßen kann.

Beijing International Automotive Exhibition 2020

Der Nationalstolz wächst.

Im Land selbst sieht man das alles natürlich um so wohlwollender. Der Zuspruch gegenüber der Regierung, selbst unter der jüngeren Bevölkerung, war nie höher. War ich doch immer ein wenig verwundert gewesen, ob des ausgeprägten Nationalstolzes, der mir in China in allen sozialen Schichten begegnete, so hat der aktuelle Tenor meiner chinesischen Freunde durchaus nochmal einen Aufwind erfahren: Es gibt kein besseres Land als China!

Schüler feiern den Nationalfeiertag.

Trump ist gut für China.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag zum neu beflügelten Nationalstolz hat Donald Trump geliefert. Gut, dass er ein Idiot ist, war auch vorher schon nationaler Duktus, aber sein Scheitern in Sachen Corona hat Xi Jinping nochmal deutlich in die Karten gespielt. Im Schwarzweiß-Kampf, Gut gegen Böse, ist China klarer Sieger. China feiert eine Goldene Woche, während der Rest der Welt in Dunkelheit versinkt.

Der Covidiot lässt Xi Jinping strahlen.

Dass Trump ausgerechnet jetzt plötzlich Corona hat, kauft ihm in China bestimmt keiner ab. Dem Idioten traut man alles zu.

Das Mondfest lässt die Sonne auf China scheinen.

In diesem Jahr fällt das Mittherbstfest ausnahmsweise mit dem Moon Festival zusammen. Mythologisch beruht das Mondfest auf einer alten Saga. In der Vorzeit gab es zehn Sonnen. Von der Sonnengöttin Xi He geborene dreifüßige Vögel, Yangwu, versammelten sich eines Tages und ließen die Erde vertrocknen und die Ernten verdörren. Ein Bogenschütze schoss daraufhin neun Sonnen herunter und befahl der letzten Sonne gefälligst jeden Tag pünktlich auf- und unterzugehen. Damit die Sonne weiterhin auf China scheint, werden zum Festtag Mondkuchen als Opfergabe dargebracht.

Mooncake

Mai Garten – Schlemmen wie in China

Traditionell werden Mondkuchen mit verschiedenen Füllungen (salzig oder süß) gebacken, die man an Freunde, Familie oder Nachbarn verschenkt, um die Sonnengöttin günstig zu stimmen. Als sonnenanbetender Exil-Chinese habe ich natürlich auch schon einen Mondkuchen verzehrt. Serviert in Münchens bester Adresse für Chinaküche, dem Mai Garten. Sinnigerweise nur hundert Meter vom lokalen Corona-Hotspot, dem Gärtnerplatz, entfernt. Da im Lokal https://www.mai-garten.com authentische chinesische Verhältnisse herrschen, ist das womöglich der sicherste Ort der Stadt.

National Day Lunch im Mai Garten.
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