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Was macht glücklich?

PODCAST

Kippis, suomalaiset! Die Finnen sind laut World Happiness Report schon wieder zum glücklichsten Volk der Welt gekürt worden. Und das, obwohl es in Finnland gerne heißt, dass lachende Menschen entweder betrunken, Ausländer oder verrückt seien. Der Scherz zeigt zwar, dass die Finnen nicht gänzlich humorlos sind, bestätigt aber zugleich das Klischee von Melancholikern im Schnee, die schweigsam und depressiv aus den Fenstern ihrer drei Millionen Saunen (für 5,6 Mio. Einwohner) in ihre bis zu minus 50 Grad kalte Welt starren.

Schwer nachvollziehbar, dass das glücklich machen soll. Zumindest nüchtern betrachtet. Aber nüchtern sollen sie ja selten sein, die Finnen. Ja, selbst in der Sauna sollen sie Wodka trinken. Vielleicht ist es dem Promillegehalt in ihrem Blut geschuldet, dass die Finnländer sich zum siebten Mal in Folge zum glücklichsten Volk der Welt gewählt hat. Vielleicht liegt’s auch daran, dass man dort angeblich mehr Sex hat als im Rest von Europa. Oder vielleicht ist es auch nur dem Umstand geschuldet, dass sie so genügsam und demütig sind. 

Ausschlaggebende Faktoren, die ein Volk angeblich glücklich stimmen sollen: Soziale Sicherheit, Einkommen, Lebenserwartung, Entscheidungsfreiheit, Abwesenheit von Korruption.

Was stimmt nicht mit den Israelis?

Die Rangliste des World Happiness Reports beruht auf einer einzigen Frage, die in 143 Ländern einer repräsentativen Zahl von Menschen gestellt wird: „Bitte stellen Sie sich eine Leiter vor, deren Stufen von null bis zehn nummeriert sind. Nehmen wir an, dass die Spitze der Leiter das bestmögliche Leben für sie darstellt und das Ende der Leiter das schlecht möglichste Leben. Auf welcher Stufe der Leiter befinden Sie sich persönlich im Moment?“

Dass Israel nur um einen Platz gefallen ist und sich noch immer auf Platz 5 gewählt hat, obgleich die Datenerhebung nach dem 7. Oktober 2023 stattfand, ist befremdlich. Umso mehr, als das die Umfrage in Gaza in Ermangelung einer repräsentativen Anzahl von Überlebenden nicht durchgeführt werden konnte. Die Afghanen haben daher erneut den letzten Platz belegt. Gefolgt von den Libanesen. Kein Wunder, dass diese libanesischen Gangster-Clans sich lieber hierzulande einsperren als sich nach Hause abschieben lassen. Und das obwohl Deutschland nicht mehr ist, was es mal war. Wir sind tatsächlich von Platz 16 auf Platz 24 gefallen und somit zum ersten Mal nicht unter den Top 20. Wie kann das sein? Ist bestimmt die Ampel schuld. Die sind ja derzeit an allem schuld. 

Eine Droge, die Elefanten umhaut

Was haben die Finnen, was die Deutschen nicht haben? Der Wodka alleine kann es nicht sein. Den haben wir auch. Ja, wir haben seit Neuestem sogar noch viel härteren Stoff. Carfentanyl heißt das Zeug. Ein Mittelchen, das der Tierarzt verwendet, um Elefanten oder Nashörner zu betäuben. Die Dosis, die einen Elefanten ruhigstellt, kann beim Eisbären schon tödlich sein.

Sowas würde sich ein Mensch niemals freiwillig einpfeifen, sollte man meinen. Denkste! Vor kurzem wurde das Zeug in München gefunden. Nicht im Zoo, sondern im teuersten Viertel der Stadt, im Herzogpark. Bei einer Personenkontrolle – ja, im Millionärsviertel durchsucht man gerne mal die Hosentaschen von verdächtigen Fußgängern, die ohne Porsche unterwegs sind – haben Streifenpolizisten ein Beutelchen mit braunem Pulver konfisziert, von dem sie annahmen, dass es sich um Heroin handelte. Das war auch nicht falsch, wie sich bei der späteren Laboranalyse herausstellte, jedoch enthielt die Probe eben auch jenes Elefantenpulver.

So sollte man besser nicht in Münchens Nobelvierteln abhängen. Sonst nehmen sie einem ruckzuck den Stoff weg.

Die Dosierung entscheidet zwischen Glückseligkeit und Sterben

Dass die Droge zum ersten Mal in Deutschland auftauchte, alarmierte die Behörden dermaßen, dass sie seitdem Kapriolen schlagen. Zu Recht. Denn Carfentanyl, ein Derivat von Fentanyl, soll 100-mal stärker als selbiges sein. 5.000-mal stärker als Heroin. Und 10.000-mal stärker als Morphium. Bereits eine sandkorngroße Menge soll einen Junkie ins Jenseits befördern können, heißt es.

Im Nanogrammbereich dosiert soll das Pülverchen jedoch sehr euphorisierend wirken. Ja, man soll einen Zustand der Glückseligkeit erreichen, wie er mit keiner anderen Droge möglich ist. Mit handelsüblichen, verschnittenen Heroin nicht und nüchtern sowieso nicht. Insofern kann man sagen, dass Drogen tatsächlich glücklich machen. Also zumindest kurzfristig. 

Wenn Opiate nicht so geil wären, gäbe es schließlich nicht so viele Abhängige. In den USA spricht man längst von einer Opiod-Krise, da das synthetische Opioid Fentanyl mittlerweile die Haupttodesursache in der Altersgruppe der 18 bis 48-Jährigen darstellt. 

Wenn eine Dosis nur noch 5 anstatt 50 Dollar kostet

Der Rohstoff stammt aus China und wird in zivilisierten Ländern zur Schmerztherapie, zumeist in Pflaster-Form, bei Krebspatienten verwendet. In den USA, wo man, mal abgesehen von #metoo, mit Ethik nicht viel am Hut hat, konnte man sich Fentanyl über Jahre problemlos vom Hausarzt verschreiben lassen. Die kassierten dafür sogar Prämien von der Pharmaindustrie, wie einst beim Oxycodon. Nach circa einer Million toter US-Bürger hat man den Hausärzten jetzt den Riegel vorgeschoben – bei Rückenschmerzen oder Menstruationsbeschwerden dürfen sie jetzt kein hoch potenziertes Heroin mehr verschreiben. 

Sehr zur Freude der mexikanischen Mafia, die den chinesischen Rohstoff in primitiven Dschungellabors weiterverarbeitet (was angeblich kinderleicht sein soll) und damit den amerikanischen Markt überschwemmt. Zu Discounterpreisen. Da können die Taliban preislich nicht mithalten, zumal die Herrschaften eh keinen grünen Daumen bewiesen haben, um die einst so erfolgreiche Heroin-Produktion Afghanistans in gewohntem Maße aufrechtzuerhalten. Und da der amerikanische Junkie mit Bio-Produkten oder gar Entwicklungshilfe nichts am Hut hat, kauft er lieber beim Discounter ein. Für 5 anstatt 50 Dollar pro Konsumeinheit. 

Am Münchner Isarufer. Das Flusswasser hat nach Berlin und Dortmund die dritthöchste Kokain-Konzentration der Republik.

Fair Trade ist Ehrensache

Im Grün regierten Deutschland hält man im Gegensatz zu Amerika, noch vorwiegend am Naturprodukt fest. Bio und Fair Trade sind hierzulande Ehrensache. Heroin ist zwar teurer und schwerer zu beziehen, aber das reguliert dann ja schon mal einen Teil des Problems. Fehlt nur noch ein Qualitätssiegel, das garantiert, dass dem Stoff kein Elefantengift untergemischt ist. Öffentliche Quality-Check-Points für Junkies sind bereits im Gespräch. 

Amerikanische Verhältnisse sind hierzulande nicht zu erwarten, meinen Suchtexperten. Ich mache mir da auch keine Sorgen. Zumal nicht das Angebot, sondern die Nachfrage den Markt bestimmt. Kein Mensch fängt morgen das Spritzen an, nur weil Heroin oder Elefantenpulver frei verkäuflich sind. Suchterkrankungen sind ein wenig komplexer. 

Junkies sterben am gleichen Produkt, das Prinzessin Kate die Schmerzen nimmt

Man kann von China halten, was man will, aber das mit den Drogen haben sie wirklich gut im Griff. Obgleich Rohstoff-Lieferant für den Rest der Welt, hat das moderne China keine nennenswerte Suchtproblematik. Der gemeine Chinese hat mit Drogen einfach nichts am Hut.

Bestimmt hat Bo Chen, der im Fentanyl-Labor von Wuhan arbeitet, seine Mixturen noch nie selbst getestet. Und wahrscheinlich hat der Chemielaborant auch keine Ahnung, wo seine Drogen landen und was sie für Folgen nach sich ziehen. Ob im mexikanischen Dschungel, in einer finnischen Palliativstation, an der ukrainischen Front, in einem Münchner Millionärsviertel oder im blauen Blut von Prinzessin Kate. 

Bo Chen ist einfach nur dankbar, dass er wieder arbeiten gehen darf und sich nicht mehr im Zwangslockdown mit seiner tyrannischen Ehefrau und den plärrenden Kindern befindet. Da geht es ihm wie vielen Chinesen, die sich binnen eines Jahres im World Happiness Report von Platz 82 auf 60 verbessert haben. Ja, Glück kann so einfach sein. Nüchtern betrachtet.

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